Fit im Job – Warum Betriebliches Gesundheitsmanagement so wichtig ist

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist ein Begriff mit einer Menge Inhalt. Manche Unternehmen haben das BGM bereits vollständig integriert. Andere fangen gerade damit an. Dies bedeutet jedoch nicht, dass alle Betriebe ein BGM einführen wollen. Dabei ist dieses in den letzten Jahren immer wichtiger geworden und kann dafür sorgen, dass körperliche und geistige Wohlbefinden der Mitarbeiter zu fördern und zu stärken. Dies bringt nicht nur Vorteile für den Arbeitnehmer.

BGM – was ist das?

Das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz wurde in den letzten Jahren mit einer steigenden Anzahl von psychischen Erkrankungen, Stressbelastungen und Krankheitsausfällen immer bedeutsamer. Besonders für die Unternehmen ist ein krankheitsbedingter Ausfall eines Arbeitnehmers mit hohen Kosten verbunden. Dies soll mit Prävention vermieden werden – dem betrieblichen Gesundheitsmanagement. Dabei zielt das Gesundheitsmanagement vorallem darauf ab, die Gesundheit und das Wohlbefinden des Mitarbeiters zu fördern und zu unterstützen, um den Bestand der Belegschaft auf langfristige Weise sichern zu können. [1] Eine klare Definition gibt es nicht, allerdings wird das betriebliche Gesundheitsmanagement oftmals als strukturierter und systematischer Prozess beschrieben, der anhand bestimmter Analysen zielgerichtete Maßnahmen erarbeiten kann, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten und zu fördern. [2] Die Ziele [3] des BGM können dabei vielseitig sein, wie zum Beispiel:

  • Verantwortungsbewusstsein für die Gesundheit der Mitarbeiter steigern
  • Implementierung von gesundheitsfördernde Projekte
  • intrapersonale und soziale Kompetenzen für bestimmte Zielgruppen entwickeln (z.B. Führungskräfte)
  • Abbau von gesundheitlicher Ungleichheit

Inhalte und Maßnahmen des BGM

Laut einer Statistik des statistischen Bundesamt für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung fehlte ein Arbeitnehmer krankheitsbedingt im Jahr 2016 durchschnittlich 10,8 Tage. [4] Da jeder Arbeitnehmer Kosten für ein Unternehmen verursacht soll das betriebliche Gesundheitsmanagement die krankheitsbedingten Fehltage reduzieren. Zu den Aufgaben des BGM gehören: traditioneller Arbeits- und Gesundheitsschutz, Gesundheits- und Mentalberatung, Führung und Gesundheitsentwicklung, Arbeits- und Personalentwicklung, Kommunikation und Marketing, Ernährungsplanung, Gesundheitseinrichtungen, Gesundheitszirkel. [5] Bevor Maßnahmen erarbeitet werden können, muss zunächst der IST-Zustand einer Organisation untersucht werden. Wie geht es den Mitarbeitern? Was beschäftigt den Einzelnen? Wie kann mit unternehmenseigenen Mitteln unterstützt werden? Für die Analyse kommen diverse Methoden [6] infrage. Klassisch ist die Mitarbeiterumfrage, in der jeder Mitarbeiter Fragen zum Thema anonym beantworten kann. Denkbar sind aber auch Interviews, Workshops oder die Analyse zu veröffentlichen Statistiken, die das Thema betreffen. Nachdem die Analyse abgeschlossen ist, können entsprechende zielgerichtete Maßnahmen erarbeitet werden. Dabei ist die stetige Unterstützung von Fachkräften und Arbeitsgruppen enorm wichtig, die dafür sorgen, dass Thema laufend zu begleiten. Zudem ist natürlich auch die aktive Mitwirkung der Belegschaft entscheidend, die das BGM somit „zum Leben“ erwecken und das Thema präsent halten. [7]

Die Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagement variieren, je nach Unternehmen. Sie können individuell erarbeitet und gestaltet werden. Wie diese Maßnahmen aussehen können, zeigen die folgenden Beispiele:

  • gesunde Mahlzeiten in der Kantine
  • positive Arbeitsplatzgestaltung (Ergonomie)
  • Implementierung von Arbeitskreisen zum Thema Gesundheit
  • Angebot von Gesundheitsworkshops für Mitarbeiter (z.B. Stressmanagement, Gesundheitstage)
  • Sportkurse (z.B. Rückenkurse)
  • etc.

Anhand einer neuen Mitarbeiterbefragung oder sinkender Krankheitstagen kann das Unternehmen im Anschluss überprüfen, ob die Mitarbeiter die Implementierung eines BGM als sinnvoll anerkennen bzw. das Ziel der Gesundheitsförderung erreicht werden konnte.

Arbeit und Gesundheit

Besonders in der heutigen schnellen und hektischen Umwelt, zwischen Multitasking und Schichtarbeit, fällt es manchmal schwer den Überblick zu behalten. Wer nicht gut auf sich achtet droht zu überlasten. Dies belegt auch eine Studie der AOK aus dem Jahr 2016, wonach die Anzahl der Tage wegen Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung in den Jahren 2004 bis 2016 deutlich angestiegen ist. [8] Im Rahmen der Studie „Betriebliches Gesundheitsmanagement 2016“ [9] der Krankenkasse pronova BKK wurden 1.660 Bürger zum Thema Belastung am Arbeitsplatz befragt. Das Ergebnis: rund 86 % der Befragten leiden unter Stress am Arbeitsplatz entstanden durch Termindruck, ständige Erreichbarkeit oder ein negatives Arbeitsklima. Junge Arbeitnehmer zwischen 18 und 39 Jahren empfinden beruflichen Stress sogar mit 91 % als belastend. Diese Entwicklung zeigt, wie wichtig es ist die Belegschaft als Unternehmen zu unterstützen und somit die Gesundheit der Arbeitnehmer zu erhalten und zu fördern. Geschieht dies nicht, drohen Arbeitskräfteausfälle, die auch zu wirtschaftlichen Einbußen im Unternehmen führen können. Zudem sind auch Themen wie Mitarbeitermotivation oder Mitarbeiterbindung eng mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement verknüpft, sodass man davon ausgehen kann, dass gesunde und zufriedene Mitarbeiter auch motivierter und produktiver in den Unternehmen arbeiten. Hieraus wird deutlich, dass die Einführung eines BGM auch für ein Unternehmen Vorteile hervorbringt.

Fazit 

Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist wichtig, insbesondere in Zeiten in denen sich Veränderung schneller denn je vollziehen. Umso bedeutsamer ist es, dass sich die Unternehmen nicht nur augenscheinlich für die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter einsetzen, sondern das ein gesunder Mitarbeiter als einflussreicher Faktor angesehen wird, der zum Unternehmenserfolg beiträgt. Es reicht also nicht die Folgen von zuviel Stress, Überlastung oder Rückenproblemen durch Gesundheitszirkel, Ernährungsplänen oder Workshops zu bekämpfen. Es muss ein ganzheitliches Konzept erstellt werden, wie man die Ursachen dieser Faktoren eindämmen kann, die zu gesundheitlichen Problemen führen können. Dabei ist es jedoch auch wichtig, dass nicht alleine ein Arbeitgeber für die Gesundheit der Mitarbeiter verantwortlich ist. Auch der Einzelne muss achtsam mit der eigenen Gesundheit umgehen, um den Körper und den Geist nicht langfristig zu schaden.

Quellenverzeichnis:

[1] Jancik, J.: 2002, S.9ff.

[2] http://www.perwiss.de/betriebliches-gesundheitsmanagement.html (12.05.2017)

[3] Rössler, W. et.al.: 2015, S.70

[4] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/13441/umfrage/entwicklung-der-jaehrlichen-anzahl-krankheitsbedingter-fehltage-je-Arbeitnehmer/ (12.05.2017)

[5] Decker, F./ Decker, A.: 2015, S.150

[6] Rössler, W. et.al.: 2015, S.48ff.

[7] Rössler, W. et.al.: 2015, S.71f.

[8] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/246810/umfrage/arbeitsunfaehigkeit-aufgrund-psychischer-erkrankungen/ (13.05.2017)

[9] https://www.pronovabkk.de/presse/studien-der-pronova-bkk/studie-betrieblichesgesundheitsmanagement-2016-f18693cc5397bb29 (20.05.2017)

Literaturverzeichnis:

Decker, F./ Decker, A.: Gesundheit im Betrieb. Vitale Mitarbeiter-leistungsstarke Organisationen. Springer Gabler. Wiesbaden. 2015

Jancik, J.: Betriebliches Gesundheitsmanagement: Produktivität fördern, Mitarbeiter binden, Kosten senken. Gabler GmbH. Wiesbaden. 2002

Rössler, W./ Keller, H./ Moock, J.: Betriebliches Gesundheitsmanagement. Herausforderung und Chance. Kohlhammer Verlag. Stuttgart. 2015

Internetquellenverzeichnis:

Personalmanagementwissen Online: Stichwort „Betriebliches Gesundheitsmanagement“. URL: http://www.perwiss.de/betriebliches-gesundheitsmanagement.html (12.05.2017)

Pronova BKK: Studie „betriebliches Gesundheitsmanagement 2016“. März 2016. URL: https://www.pronovabkk.de/presse/studien-der-pronova-bkk/studie-betrieblichesgesundheitsmanagement-2016-f18693cc5397bb29 (20.05.2017)

Statista: Durchschnittliche Arbeitszeit und ihre Komponenten in Deutschland in den Jahren 1991 bis 2016. Statistisches Bundesamt für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. 2017. URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/13441/umfrage/entwicklung-der-jaehrlichen-anzahl-krankheitsbedingter-fehltage-je-Arbeitnehmer/ (12.05.2017)

Statista: Entwicklung von Arbeitsunfähigkeitsfällen und -tagen aufgrund psychischer Erkrankungen in Deutschland in den Jahren 2004 bis 2015 (Index 2004 = 100). AOK – Zahlen und Fakten. 2016. URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/246810/umfrage/arbeitsunfaehigkeit-aufgrund-psychischer-erkrankungen/