Fernstudium: Erleichterung, Herausforderung oder zu schwer?

Nachdem ich von einer Präsenzhochschule an die Fernhochschule gewechselt bin, wurde ich mit vielen Fragen konfrontiert. „Das muss doch richtig schwer sein? Man braucht bestimmt extrem viel Selbstdisziplin? Wie läuft ein Fernstudium überhaupt ab?“

Natürlich stellte ich mir vor dem Wechsel dieselben Fragen. Ich erkundigte mich und versuchte abzuwägen. Im Großen und Ganzen war ich zufrieden mit meinem damaligen Studium. Dennoch war ein Präsenzstudium nicht unbedingt förderlich für die Beziehung zu meinem Partner in den USA. Schlussendlich kam ich zu dem Entschluss, dass ich selbst die Erfahrung machen muss, um beurteilen zu können, was ich von einem Fernstudium halte und wie es überhaupt abläuft . Mir war es wichtig, flexibel sein, unabhängig vom Ort studieren zu können und selbst zu bestimmen, wann und welches Modul ich absolviere. Alles andere wie die aufzubringende Selbstdisziplin musste einfach funktionieren. So wechselte ich kurzer Hand an die Fernhochschule.

 

Wie sieht der Alltag mit Uni, Beruf und Fernbeziehung aus?

Die ersten drei Monate an der Fernhochschule verbrachte ich direkt in Amerika. Für mich war dies allgemein nicht nur eine ganz neue Situation, sondern es war auch eine neue Situation in Bezug auf das Lernen. Ich sah es als eine neue Herausforderung, die es zu bewältigen gab. [1]  Mir war bewusst, dass ich ab sofort für mein Studium komplett selbst verantwortlich war und so legte ich direkt zu Beginn einen Zeitplan fest, welcher die sechs Kernpunkte des Zeitmanagements beinhaltete: Prioritäten, Ziele, Puffer, Pausen, Zeiteinteilung und Nachkontrolle. [2]  Unter der Woche wurde die Zeit für das Studium genutzt, damit ich am Wochenende Freizeit hatte.

Wieder zu Hause in Deutschland erwartete mich ein neuer Alltag. Vier Tage die Woche arbeiten, das Studium und mein Privatleben mit Freunden inklusive. Die recht simple Zeiteinteilung unter der Woche funktionierte nicht mehr. Ich wusste, dass ich mit meiner Zeit nun genau wirtschaften muss. Also legte ich mir einen neuen Zeitplan zu. Ich besorgte mir einen Timer, in dem ich alles eintragen konnte. Das ganze Jahr konnte ich so im Vorfeld grob planen und für die jeweils kommenden Tage, besonders aber für den folgenden Arbeitstag notierte ich mir meine Ziele und Aufgaben, welche auf jeden Fall erledigt sein mussten. Durch eine Einteilung in „Wichtig“, „Routine“ und „Verschwendung“ konnte ich die Tätigkeiten genau einordnen. [3]  Normalerweise folge ich der Devise: „erledige das Wichtigste zuerst, dann hast du hinterher mehr Zeit für andere Dinge“. Im Fernstudium musste ich aber feststellen, dass meine persönliche Leistungsfähigkeit vormittags und abends am höchsten ist. Entsprechend versuchte ich meine Tagespläne anzupassen und es funktionierte. [4]

 

Was habe ich durch das Studium gelernt?

Nach zwei Jahren Fernstudium habe ich mich persönlich weiterentwickelt. Natürlich gab es nicht immer einfache Herausforderungen, die es zu bewältigen gab. Gewisse negative Punkte wie das fehlende Sozialleben im Vergleich zu meiner damaligen Präsenzhochschule habe ich gelernt zu akzeptieren. Insgesamt habe ich mich persönlich weiterentwickelt, denn ich habe gelernt, selbstständig zu arbeiten, meine Zeit optimal zu nutzen und bei Rückschlägen nicht sofort aufzugeben. Rückschläge wie eine schlechte Note, keine Motivation oder Stress waren für mich ein Hinweis, etwas zu ändern. Ich versuchte mir das bisher Erreichte vor Augen zu halten und meine Handlungen zu überdenken und zu optimieren. [5]  Durch die längeren Auslandsaufenthalte musste ich mich jedes Mal neu anpassen. Ständig habe ich mich weiterentwickelt und entsprechend haben sich auch meine Lernstrategien und Prioritäten verändert.

Am Anfang war mein Ziel, ein Modul pro Monat abzuschließen, damit ich mir selbst die Arbeit einigermaßen einteilen konnte und wusste, wie ich arbeiten muss. Nach einiger Zeit wurde mir aber bewusst, dass diese Ziele nicht mehr ausreichen. Sie waren nicht vorrausschauend geplant. Ich musste anfangen, einige Dinge im Voraus planen, beispielsweise wann ich eine Klausur schreibe und wann ich eine Hausarbeit anfertige. Nicht zu vergessen, wann ich das Studium abschließen möchte. Indirekt machte ich mir so über jede Handlung Gedanken, ob sie förderlich für meine Ziele waren oder nicht. Mit der Zeit merkte ich, dass diese fest gesetzten Ziele mich dabei unterstützen, nicht vom Weg abzukommen. [6]

 

Fazit

Das Fernstudium war für mich bis jetzt eine unglaublich gute Erfahrung. Es war nicht immer einfach, aber ich selbst konnte mir Vieles dadurch selbstständig aneignen. Man muss sich ständig anpassen und neue Wege einschlagen, um ans Ziel zu kommen. So lernt man flexibel zu bleiben, aber trotzdem kontinuierlich an seinen Vorsätzen und Zielen zu arbeiten. Als Fernstudent muss man einige Herausforderungen meistern, gerade wenn man zusätzlich noch eine Familie und einen Vollzeitjob hat. Für mich jedoch war es eine Erleichterung, denn die Selbstständigkeit liegt mir viel besser als nach einem von außen vorgegeben Plan zu arbeiten. Nur wer selbst die Erfahrung macht, hat eine Ahnung was bei einem Fernstudium wirklich auf einen zukommt, abseits der ganzen Vorurteile.

 

Fußnoten

[1] (Viviane Scherenberg, 2016, S.77)

[2] (Nünning, 2008, S.20f.)

[3] (Nünning, 2008, S. 23)

[4] (Nünning, 2008, S. 28 f.)

[5] (Widulle, 2009, S. 100)

[6] (Proksch, 2012, S. 13)

 

Literaturnachweis

Nünning, V. (2008). Schlüsselkompetenzen: Qualifikation für Studium und Beruf. Stuttgart: Springer-Verlag GmbH.

Proksch, D. (2012). Dein Top-Studium: So studierst Du schnell, erfolgreich und gelassen. Wiesbaden: Gabler Verlag/ Springer Fachmedien.

Viviane Scherenberg, P. B. (2016). Stressmanagement im Fernstudium: Ein Praxisratgeber für nebenberuflich Aktive. Wiesbaden: Springer Fachmedien.

Widulle, W. (2009). Handlungsorientiert Lernen im Studium: Arbeitsbuch für soziale und pädagogische Berufe. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / GWVFachverlage GmbH.

 

Abbildungsverzeichnis

Beitragsbild: Christin Sohrmann