Diagnose: Burnout – Wie man richtig entgegenwirkt

Die Tendenz ist steigend. Immer mehr Berufstätige erkranken am Burnout-Syndrom. Die nachfolgende Statistik bestätigt dieses Phänomen. Diese zeigt die Entwicklung der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Burn-out-Erkrankungen in Deutschland. Betrachtet wurde der Zeitraum von 2004 bis 2015 und untersucht wurden die Mitglieder der AOK Krankenkasse. Während im Jahre 2004 lediglich 8,1 Krankheitstage je 1.000 Mitglieder verzeichnet wurden, waren es im Jahre 2015 101,6 Tage je 1.000 versicherten Personen.

Abbildung 1: Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Burn-out-Erkrankungen in Deutschland (2004 bis 2015) (Quelle: Axel Springer (17.07.2017), https://de.statista.com)

Burnout, oder auf Deutsch: Ausbrennen, bezeichnet einen Zustand der Erschöpfung. Der Erkrankte ist sowohl psychisch und physisch, als auch kognitiv und emotional erschöpft. Das Burnout-Syndrom kann nicht allgemeingültig definiert werden, allerdings besteht in allen Fällen ein Verlust von Energie und ein Einstellen des Erschöpfungszustandes. Meist tritt die Krankheit bei Personen auf, die sich langfristig für Mitmenschen in emotional belastenden Situationen engagieren.[1]

Die steigende Beanspruchung im Berufsalltag und die immer größer werdende Arbeitslast sind nicht selten der Auslöser des Burnout-Syndroms. Viele Berufstätige klagen über andauernden Stress in der Arbeit. An dieser Stelle muss man allerdings differenzieren. Es existieren zwei Arten von Stress. Wenn ein Wechsel zwischen Erregung, also Anspannung und Ruhe, also Entspannung besteht, spricht man von normalem Stress. Dieser macht in der Regel nicht krank. Stellt sich allerdings keine Entspannung mehr ein und der Mensch steht unter einer ständig wachsenden Erregung, bezeichnet man diese Entwicklung als Dauerstress. Man verspürt folglich eine anhaltende Nervosität und innere Unruhe, die besonders abends, zur extremen Erschöpfung und Müdigkeit führt. Hält dieser Zustand nun über längere Zeit an, kann diese Art von Stress durchaus krankmachen. Eine Folge daraus ist oftmals die Burnout Erkrankung.[2]

Mit diesem Beitrag möchte die Autorin einen Überblick geben, welche Stressbewältigungsmöglichkeiten existieren. Gerade im Hinblick auf die steigenden Zahlen aus der Statistik ist es heutzutage im Berufsalltag äußerst wichtig, dass Menschen die Gefahr rechtzeitig erkennen und sich in Stresssituationen zu helfen wissen.

Man kann dem Stress auf drei verschiedenen Wegen entkommen:

 Instrumentelles Stressmanagement

In diesem Bereich der Stressbewältigung geht es darum, bereits die Entstehung von Stress zu vermeiden. Stressoren, also Faktoren, die zum Stress führen, sollen dabei reduziert oder gar ausgeschaltet werden, sodass der Alltag stressfreier gestaltet werden kann. Diese Art von Stressmanagement kann sowohl reaktiv, das heißt direkt auf konkrete Belastungssituationen, oder auch proaktiv, also auf die Reduzierung oder Ausschaltung zukünftiger Belastungen ausgerichtet sein. Instrumentelles Stressmanagement erfordert neben einer ausreichenden Sachkompetenz auch Kompetenz im sozial-kommunikativen Bereich und die Fähigkeit zum Selbstmanagement.[3]

Mentales Stressmanagement

Diese Art von Stressmanagement zielt auf die eigenen Einstellungen und Bewertungen ab. Der Mensch bewertet eine belastende Situation sehr schnell und unbewusst. Diese Bewertung sieht man folglich als wahr an, ohne eine weitere, sachliche Prüfung vorzunehmen. Das Problem daran ist, dass wir subjektiv bewerten. Um eine objektive Sichtweise einzunehmen, muss manchmal von der Gewohnheit abgewichen werden und typische Denkmuster sollen weichen. Das Ziel des Stressmanagements im mentalen Bereich ist ganz klar die Änderung stresserzeugender oder -verschärfender Motive, Bewertungen und Einstellungen. Diese stellen die persönlichen Stressverstärker dar und wirken sich negativ auf das Stressempfinden aus. Situationen sollen kritisch reflektiert werden, alte Denkmuster sollen bewusst umgangen werden und der Mensch soll die eigenen Einstellungen und Bewertungen stressvermindernd und förderlich ausrichten.[4]

 Regeneratives Stressmanagement

Das Ziel ist nicht, körperliche und seelische Stressreaktionen komplett zu umgehen oder zu vermeiden. Vielmehr liegt der Schwerpunkt des regenerativen Stressmanagements in der Entwicklung von Strategien, die bei körperlicher Anspannung, Unruhe und Nervosität Abhilfe schaffen. Somit sollen negative Stressfolgen, unter anderem das Burnout-Syndrom, vermieden werden. Außerdem sollen Strategien aufgestellt werden, die die Widerstandskraft einer Person gegenüber Belastungen aufrechterhalten und helfen, neue Energie aufzubauen.[5]

 Zusammenfassung und Fazit

Die Statistik bietet den Beweis – die Anzahl der Erkrankten, die aufgrund des Burnout-Syndroms arbeitsunfähig gemeldet werden, steigt und steigt. Kritiker stellen sich die Frage, ob Burnout gegebenenfalls als eine Modeerscheinung in der heutigen Berufswelt angesehen werden kann. Tatsache ist, dass das Syndrom keine anerkannte Krankheit ist. Bisher wurde das Leiden in keine medizinische Kategorie eingestuft. Auch bei den Ärzten teilen sich die Meinungen. Manche weigern sich sogar, Burnout als eine ernst zu nehmende Krankheit zu betrachten. Dem entgegen steht allerdings der Fakt, dass es in Deutschland bis zu 13 Millionen Arbeitnehmer geben soll, deren Leiden nachweislich auf eine Art der Erschöpfung zurückzuführen ist.[6]

Zusammenfassend muss beachtet werden, dass es grundsätzlich positiven, natürlichen und negativen, unnatürlichen Stress gibt.[7]

Wie der unnatürliche, negative Stress nun bezeichnet wird oder ob dieser eine anerkannte Krankheit darstellt, ist im Endeffekt zu vernachlässigen. In erster Linie ist wichtig, dass man rechtzeitig die Gefahr erkennt und durch geeignete Stressbewältigungsmaßnahmen verhindern kann, dass die Belastung die Gesundheit langfristig beeinträchtigt.

 

 

Fußnoten

[1] Vgl. Richter / Hacker (1998), S.144

[2] Vgl. Litzcke / Schuh (1999), S.21ff.

[3]Vgl. Kaluza (2015), S.88f.

[4] Vgl. Kaluza (2015), S.89f.

[5] Vgl. Kaluza (2015), S.90

[6] Vgl. Neidhardt (17.07.2017), www.business-wissen.de

[7] Vgl. Crisand / Lyon (1991), S.10ff.

 

Literatur- und Quellenverzeichnis

Axel Springer (o.J.), Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Burn-out-Erkrankungen in Deutschland in den Jahren 2004 bis 2015 (je 1.000 AOK-Mitglieder), URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/239869/ umfrage/arbeitsunfaehigkeitstage-aufgrund-von-burn-out-erkrankungen/ (17.07.2017).

Crisand, E. & Lyon, U. (1991), Anti-Streß-Training, 2. Aufl., Heidelberg.

Kaluza, G. (2015), Gelassen und sicher im Stress, 6. Aufl., Berlin.

Litzcke, S. & Schuh, H. (1999), Streß am Arbeitsplatz, Köln.

Neidhardt, A. (2015), Burnout – ein Trend der Gegenwart?, URL: https://www.business-wissen.de/hb/burnout-ein-trend-der-gegenwart/ (17.07. 2017).

Richter, P. & Hacker, W. (1998), Belastung und Beanspruchung, Heidelberg.

Beitragsbild: Wipub Standardgrafik: SADNESS, http://www.wipub.net/wp/wp-content/uploads/2016/02/sadness-513527_1280.jpg